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News & Aktuelles
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Behinderte Jugendliche in Kontakt mit großen Tümmlern
12. April 2006
Mehrmals im April ist die Jugendgruppe "Sterntaler" aus Berlin mit den Booten vom Club de Mar zum Whalewatching zur See gefahren. So fuhren wir am 12. April gemeinsam mit den kleinen Booten "Ra" und "Canope". Schon bald hatten wir eine Sichtung von großen Tümmlern, die sich zunächst jedoch recht scheu verhielten. Erst nach und nach brach das Eis auf und die Delfine entschlossen sich, in den Bugwellen der Boote zu reiten, sprangen aus dem Wasser und lieferten uns Luftakrobatik. Unsere jungendlichen Gäste waren sehr angetan, auch das aufziehende Regenwetter tat der Tour keinen Abbruch. Vielmehr zur Enttäuschung einiger "Sterntaler" schafften wir es rechtzeitig in den Hafen, bevor es richtig nass wurde.
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Toter Zwergpottwal vor La Gomera - weitere Anstrandungen auf anderen Inseln
31. März 2006
Der tote Wal wurde am Morgen des 31. März 2006 von Skipper Karsten von der "Sandra" auf einer Angeltour entdeckt und von Bernd Brederlau und Melanie www.atlantic-care.de mithilfe der "Vienna" in den Hafen von Vueltas geschleppt. Es handelte sich um ein totes Zwergpottwal-Weibchen, das - wie die Obduktion am folgenden Tag ergab - mit einem Fötus trächtig war. Etwa zur gleichen Zeit war es auf El Hierro und auf Fuerteventura ebenfalls zu Anstrandungen toter Wale gekommen, darunter auch Schnabelwale. Bisher ist die Todesursache unbekannt. Nach inoffizieller Auskunft heißt es allerdings, es habe zur gleichen Zeit ein Marine-Manöver stattgefunden.
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Zwei unechte Karett-Schildkröten aus Nylonsäcken befreit
13. März 2006
Auf ihrer Rundreise durch den Atlantic erreichen die unechten Karett-Schildkröten Caretta caretta die Kanarischen Inseln im Frühjahr regelmäßig in großer Zahl. Da sich die Tiere mehr oder weniger passiv von den vorherrschenden Meeresströmungen treiben lassen, findet man sie vor allem dort, wo sich ebenfalls der Kulturmüll konzentriert. Am 13. März 2006 haben wir auf einer regulären Whalewatchingtour gleich zwei dieser vom Aussterben bedrohten Tiere an Bord der "Canope" nehmen müssen. Beide hatten sich in Nylonartikeln verfangen, die sie wahrscheinlich schon die überwiegende Zeit ihres Daseins hinter sich hergezogen hatten. Jedenfalls waren die Füße stark deformiert und bis auf die Knochen eingeschnürt. Unter Mithilfe der anwesenden Gäste wurden die beiden Schildkröten an Bord genommen und an die Hafenmeisterei Vueltas übergeben, von dort wurden sie zur Weiterversorgung nach Gran Canaria überführt. Die Schwere der Verletzung, so vermutet Bernd Brederlau www.atlantic-care.de wird wahrscheinlich zur Amputation der betroffenen Gliedmaßen führen.
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Der Niedergang der "Swagman" - ein künstliches Riff entsteht
21. Januar 2006
Den regelmäßigen Besuchern La Gomeras dürfte das unansehnliche Betonsegelschiff mit der Aufschrift "SE VENDE" im Hafen von Vueltas sehr wohl in Erinnerung geblieben sein. Jahrelang hatte sich der englische Besitzer einen Dreck drum gekümmert - dann am 21. Januar 2006 kam die Meldung: "Die Swagman sinkt." Eilig wurde der Club de Mar verständigt, in einer hektischen Aktion schleppten Rolf und Samyo den schwimmenden Betonklotz mithilfe der "Ascension del Seņor" aus dem Hafen heraus. "Der Niedergang", so in einer Spontanfilmreportage des Regisseurs Oliver Heck (www.encantada.info) geschah sehr abrupt querab der Finca Argayall, über Sandgrund in etwa 12 Meter Tiefe.
Der weitere Werdegang der "Swagman" als neuer Lebensraum bzw. als künstliches Riff wird nun von mir in Zusammenarbeit mit der Tauchschule Fisch&Co (www.fischco.com) verfolgt. Unser erster Besuch erfolgte am 30. Januar 2006, es hielten sich insgesamt zwei Fische und eine Nacktschnecke an dem Wrack auf. Bereits zwei Wochen später wurde das neue Hartsubstrat von Spitzkopf-Kugelfischen rege genutzt und unter dem Rumpf versteckte sich ein runder Stechrochen. Ende Februar wurde die "Swagman" allerdings durch einen heftigen Sturm versetzt, seitdem ist ihre Position unklar. Wir werden erneut nach dem Wrack suchen und dürfen auf die weitere Entwicklung gespannt sein.
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Das Projekt
Der Club de Mar Valle Gran Rey kümmert sich seit mehr als 16 Jahren um die Meerestiere vor den Küsten La Gomeras. Bisher standen dabei die Wale und Delfine im Brennpunkt, zu deren Schutz der Club mit Umwelt- und Tierschutzorganisationen in aller Welt zusammenarbeitet.
Seit Frühjahr 2005 erfolgt nun im Rahmen des durch Claus Heinrichs angeregten und von mir gegründeten Projekts Ocean La Gomera eine intensive Bestandsaufnahme der marinen Fauna und Flora vor dem Tal Valle Gran Rey. Die Untersuchung konzentriert sich auf die Gezeitenzone am Charco del Conde und auf das alte Hafenbecken inklusive der angrenzenden Felsküste. Durch regelmäßige Feldbeobachtung (Monitoring) wird die Bestandsentwicklung wichtiger Schlüsselarten sowie gefährdeter Arten kontinuierlich verfolgt. Außerdem wurden einige Arten bereits kurzfristig in Hälterungsbecken gesetzt, um anhand von Fütterungsversuchen ihre genaue Stellung im Nahrungsgefüge zu untersuchen. Ein Hauptaugenmerk richtet sich allerdings auf die "Kinderstube der Meerestiere", eine Funktion, welche die Gezeitenzone am Charco del Conde für sämtliche marine Arten übernimmt.
Gegenwärtig ist die erste Bestandsaufnahme abgeschlossen und es liegen ausreichend Hinweise vor, für welche Arten das Felswatt als Aufwuchsstation eine entscheidende Rolle spielt. Im weiteren Verlauf des Projekts sollen die Lebenszyklen von einigen Schlüsselspezies genauer unter die Lupe genommen werden. Je mehr wir wissen, wie sich die Bestände einer jeweiligen Art rekrutieren, desto wirkungsvoller können wir gefährdete Arten schützen und für einen besseren Erhalt des ökologischen Gleichgewichts sorgen.
Ökologische Aufklärung
Das ökologische Gleichgewicht vor den Küsten La Gomeras ist längst nicht mehr intakt: In Gezeitenpools wird die ursprüngliche Flora teilweise von der eingeschleppten Alge Caulerpa racemosa überwuchert. An den Felsküsten grasen massenhaft auftretende Diademseeigel
den Algenbewuchs ab und zerstören somit die Nahrungsgrundlage anderer Arten sowie die Versteckmöglichkeiten für Jungtiere und Brutgelege. Wale, Delfine und Meeresschildkröten sind in ihren Beständen zum Teil stark gefährdet.
Mein Ziel, sowie das des Club de Mar ist es, Menschen darüber aufzuklären und zu zeigen, wie jeder Einzelne zum Erhalt unserer marinen Lebensräume beitragen kann. Zu diesem Zwecke bieten wir nicht nur regelmäßige Infoveranstaltungen an, sondern führen kleinere Gruppen von Interessierten direkt vor Ort, um ihnen den respektvollen Umgang mit der Natur zu zeigen. Für dieses Angebot nehmen wir in der Regel einen festen Spendenbeitrag (inklusive Aufwandsentschädigung) entgegen, über den wir unsere weitere Arbeit finanzieren.
Neben den regelmäßigen Bootsausfahrten zu den Walen und Delfinen, die der Club seit seiner Gründung anbietet, finden im Rahmen meines Projekts Ocean La Gomera nun weitere Veranstaltungen statt: Dia-Abende über die Unterwasserwelt, Felswattwanderungen am Charco del Conde und Schnorcheltouren durch das Hafenbecken. Geplant ist auch, sofern Interesse besteht, einen Unterwasser-Fotografiekurs anzubieten.
Gezeitenzone
Der Aufenthalt in der Übergangszone zwischen Land und Meer, also in der Gezeitenzone, stellt besondere Anforderung an die dort lebenden Organismen. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung könnte wie folgt aussehen:
- reichhaltiges Nahrungsangebot: Hohe Primärproduktion da Algen dem unmittelbaren Sonnenlicht ausgesetzt sind.
- zahlreiche Versteckmöglichkeiten insbesondere für Kleintiere und Brutgelege
- Sicherheit vor großen Raubfischen
- harte Umweltbedingungen: Hohe Temperaturschwankungen, mechanische Belastung durch Brandung, Gefahr des Austrocknens, osmotischer Stress durch Süßwassereintrag (Regen) oder zu hohen Salzgehalt (Wasserverdunstung)
- starker Konkurrenzdruck auf dicht besiedelten Flächen
- Angriff durch Küstenvögel, Landtiere und den Menschen
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Dauerhafte Gezeitenbewohner
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Fische
Die genannten abiotischen Umweltfaktoren sind dafür verantwortlich, dass zahlreiche marine Arten in den Gezeitenpools nicht einmal für eine Niedrigwasserperiode überleben könnten. Die Fischfauna ist dort entsprechend artenarm. Unter den Arten, die sich dauerhaft in der Gezeitenzone aufhalten, sind zwei besonders häufig: Der Schleimfisch oder Blenni Parablennius parvicornis (Familie Schleimfische - Blenniidae) und die Grundel Mauligobius maderensis (Famlie Grundeln - Gobiidae). Beide haben die Schwimmblase zurückgebildet und tragen spezielle Anpassungen: Bei den Grundeln sind die Bauchflossen zu einem Saugnapf verwachsen, mithilfe dessen sie sich in reißender Strömung festhalten können. Die Blennis sind schuppenlos und stattdessen von einer schützenden Schleimschicht umgeben, sie können sogar kurze Strecken über Land zurücklegen.
Neben diesen beiden häufigsten sind hin und wieder weitere Arten aus der Familie der Grundeln vertreten: Gnatholepis thompsoni und Gogius paganellus. Außerdem wird ein einziger Pool, der bei Niedrigwasser nur kurzfristig vom offenen Meer abgeschnitten ist, von einem Neon-Riffbarsch Abudefduf luridus bewohnt. Der territoriale tropische Fisch beansprucht dort einen Felsüberhang für sich, den er regelmäßig gegen fremde Arten verteidigt.
An Raubfischen sind schließlich zwei Arten regelmäßig im Felswatt präsent: Die Maskenmuräne Gymnothorax unicolor (Familie Muränen - Muraenidae) und der kleine rote Drachenkopf Scorpaena maderensis (Familie Skorpionfische - Scorpaenidae). Die Drachenköpfe fallen vornehmlich mit dem abendlichen bzw. nächtlichen Hochwasser in die Gezeitentümpel ein.
Ein einziges Mal wurde bisher der Rückenfleck-Anglerfisch Antennarius nummifer gesichtet.
Es gibt einige weitere Fisch-Arten, die die Gezeitenzone intensiv als "Kinderstube" nutzen, siehe: Der Charco del Conde als "Kinderstube" - Fische
Algen
Im Gegensatz zu den Felsküsten gemäßigter Breitengrade, die von regelrechten Braunalgenwäldern überwuchert sind (z. B. der Blasentang Fucus vesiculosus vor Helgoland), dominieren in den Tropen und Subtropen die eher kleinwüchsigen Rotalgen. Rotalgen können aufgrund bestimmter akzessorischer Pigmente (z. B. Phycoerythrin) noch bis in größere Wassertiefen die Spektralanteile des sichtbaren Lichts verwerten. Ebenso sind bestimmte Rotalgen (der Ordnung Corallines) durch die Einlagerung von Kalkkristallen ausgezeichnet an die rauen Verhältnisse in der flachen Gezeitenzone angepasst. Gerade in unmittelbarer Nähe der Niedrigwasser-Brandungsfront findet man hier regelrechte Rotalgenteppiche, zusammengesetzt aus mehreren Arten, die nur schwer zu bestimmen sind. Zu den Charakterpflanzen gehört etwa das Korallenmoos Jania rubens in den Algenteppichen, die bäumchenartigen Galaxaura rugosa in den vorderen Tümpeln, die krautartigen Gewächse Laurencia obstusa und Laurencia viridis an stark brandungsexponierten Stellen sowie Asparagopsis taxiformis, die unterhalb der Niedrigwasserlinie kleinwüchsige Wälder ausbildet.
An Braunalgen findet man vor allem die kleinwüchsige Trichteralge Padina pavonica in den vorderen Tümpeln oder oberhalb der Niedrigwasserlinie. Die Meerheide Cystoseira abies-marina kann, ähnlich dem Blasentang gemäßigter Breitengrade, an der Brandungsfront riesige Flächen überwuchern, entsprechende Bestände sind vor Valle Gran Rey am Playa del Ingles vorhanden. Weitere kleinwüchsigere Arten der Gattung Cystoseira sowie der bereits von Columbus beschriebenen Sagassum-Gewächse sind ebenfalls in den vorderen Tümpeln zu sehen.
Die Grünalgen sind mit den grünen Pflanzen an Land am ehesten verwandt. Bezüglich ihres Licht-Nutzungsspektrums sind sie weniger gut an die besonderen Verhältnisse unter Wasser angepasst, da sie große Anteile im langwelligen roten Bereich verwerten. Da das rote Licht nur wenige Meter tief in die Wassersäule eindringt, gedeihen sie überwiegend im Flachwasser und in der Gezeitenzone. Moosartige Gewächse aus schlauchförmigen Riesenzellen wie Codium adhaerens und Dasycladus vermicularis sind vereinzelt zwischen den Rotalgenteppichen zu finden. Die Seetraube Valonia utricularis bevorzugt schattige Plätze an brandungsgeschützten Stellen in der hinteren Gezeitenzone, man findet sie auch unter den Steinen. In den Sommermonaten bildet der Darmtang Enteromorpha compressa vor allem um die oberen Gezeitentümpel einen ringförmigen Saum. Diese Alge benötigt starkes Sonnenlicht und kommt im Gegenzug mit hohen Temperaturen, Süßwassereintrag sowie mit hohem Salzgehalt klar.
Den oberen Abschluss der Gezeitenzone bilden die Blaualgen, die eigentlich nicht mehr zu den Pflanzen, sondern zu den Bakterien zählen (Cyanobakterien). In großen Kolonien bilden sie je nach Art schwarzrote "Matten" auf den Steinen oder vereinzelt auffällige gewebeähnliche Strukturen, wie Calothrix crustacea. Da die Cyanobakterien oder Blaualgen robuste Dauerstadien ausbilden, kommen sie auch dort vor, wo nur gelegentlich Spritzwasser hingelangt oder wo aufgrund starker Sonneneinstrahlung zu extreme Bedingungen für andere marine Organismen herrschen.
Festsitzende Wirbellose
Man erkennt in der Gezeitenzone bei La Puntilla eine deutliche Zonierung sessiler wirbelloser Tiere:
Die vordere Lagune Charco del Conde ist von einem regelrechten Wurmschnecken-Ring umgeben. Dabei handelt es sich um bisher unbestimmte Arten sessiler Schnecken, die mit Hilfe von Schleimfäden Plankton aus dem Wasser fangen. Unter den Steinen findet man dort besonders viele Schwämme, die häufigste Art ist der Nierenschwamm Chondrosia reniformis. Als Repräsentanten des beinahe niedersten Stamms mehrzelliger Tiere verfügen die Schwämme weder über eine regelmäßige Körpersymmetrie, noch über ausgebildete Sinneszellen, Muskeln oder Nervensysteme. Sie filtrieren das Wasser entweder passiv indem sie beispielsweise durch kaminartige Strukturen einen Unterdruck in der Strömung erzeugen, teils aber auch aktiv mithilfe der Kragengeißelzellen. Mikroorganismen bilden ihre Nahrungsgrundlage. Gegen den Fraß- und Besiedlungsflächenkonkurrenzdruck schützen sie sich mithilfe von Antibiotika.
Vor dem Wurmschnecken-Ring schließt sich Richtung offenes Meer ein Areal an, das besonders von Seeanemonen dominiert wird. Mindestens 7 Arten sind regelmäßig zu sehen. Die beiden häufigsten Arten, die Glasrose (unbest.) und die Wachsrose Anemonia sulcata haben eine Symbiose (Lebensgemeinschaft) mit einzelligen Algen (Zooxanthellen), die in ihren Tentakeln leben. Die Alge verwertet die Stoffwechselendprodukte und versorgt ihren Wirt im Gegenzug mit Aufbaustoffen und mit Sauerstoff. Damit sind diese Arten hervorragend an den Aufenthalt in der lichtdurchfluteten Gezeitenzone angepasst. Sie halten sich dort an brandungsgeschützen Standorten zwischen Steinen oder in Spalten auf, in der Regel sieht man bloß ihre Tentakeln wie kleine Grasbüschel aus den Ritzen herausragen. Andere Arten, z. B. die Keulenanemone Telmatactis cricoides oder die kleinwüchsigen kolonialen Krustenanemonen Palythoa sp. ernähren sich ausschließlich von Plankton und sind deutlich robuster gebaut. Einige weitere Arten sind nachtaktiv und leben tagsüber zurückgezogen im Sand oder in Spalten. Häufig zu sehen sind die Forskalrose Telematactis forskalii und Kariben-Zylinderrose Archnanthus nocturnus. Die Kariben-Zylinderrose bildet Röhren aus Sediment und körpereigenem Sekret aus.
Grundsätzlich sind Seeanemonen nicht festgewachsen, sondern nur angeheftet. Sie können sich lösen und mehr oder weniger passiv verdriften lassen, sofern sich der Standort verschlechtert bzw. trocken fällt. Als Vertreter der Nesseltiere (Stamm Cnidaria) gehören sie zu den phylogenetisch ältesten Tieren, die bereits einfache Organe, ein diffuses Nervensystem, Muskel- und Sinneszellen entwickelt haben. Es ist sogar ein Magenraum vorhanden, Mund und After stellen jedoch eine gemeinsame Öffnung dar.
An der vorderen Brandungsfront werden die zarten Seeanemonen von äußerst robusten kleinen Krebsen abgelöst: Die Seepocken der Art Chthamalus stellatus bilden dort einen ausgeprägten Gürtel. Während die Larven der Seepocken als Plankton noch frei im Wasser schwimmen, setzten sie sich ab einem gewissen Stadium ihrer Entwicklung auf einem Stein fest und machen eine Metamorphose durch. Nach dieser Verwandlung sind sie nicht mehr in der Lage, sich überhaupt zu lösen. Eventuell nutzen sie auch Treibholz, lebende Tiere (z. B. Muschelschalen, Großwale) oder Schiffsrümpfe als Untergrund. Mithilfe ihrer umgebildeten Laufbeine, den Rankenfüßen, fangen sie Nahrungspartikel und Kleinstorganismen ein, die mit jeder Flut über das Areal gespült werden. Bei Ebbe ziehen sie sich in ihren Panzer zurück, der mit einer Art Klapptürmechanismus so dicht geschlossen wird, dass bis zur nächsten Flut genügend Wasser für die Kiemenatmung zurückbleibt. Da ein Seepocken-Panzer in der Regel nur unter Hammerschlägen klein zu kriegen ist, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, wenn Sie mit festem Schuhwerk über die Tiere laufen. Seepocken findet man auch dort, wo die Lebensbedingen für andere sesshafte Tiere und für die meisten Algen zu hart sind.
Den vorderen Abschluss im Felswatt bilden die Steinseeigel Paracentrotus lividus. Da die Steinseeigel nicht lange an der Luft existieren können, findet man sie knapp unterhalb der Niedrigwasserlinie, und zwar in Richtung offenes Meer noch vor dem Seepockengürtel. Als Jungtiere setzen sie sich nach einer kurzen Planktonphase unter Felsüberhängen und in Spalten fest, die sie normalerweise über Lebenszeit nicht mehr verlassen. Sie können dort ein Alter von bis zu 10 Jahren erreichen und sich mit ihren Stacheln immer tiefer in das Gestein einbohren. Nahrungsgrundlage bilden abgerissene Pflanzenteile, die mit dem einlaufenden Wasser regelmäßig über das Feld gespült werden. Besonders günstig sitzen die meisten Steinseeigel vor La Puntilla inmitten des Rotalgenteppichs. Man findet sie in mehreren Farben: Schwarz, Violett, Rot und Grün.
Mobile Wirbellose
Unter den frei beweglichen Wirbellosen lassen sich diejenigen unterscheiden, die dauerhaft im Felswatt leben und solche, die das Felswatt primär als "Kinderstube" nutzen.
Zu den besonders charakteristischen "dauerhaften" Bewohnern der Felswatt-Küsten La Gomeras zählt die rote Felsenkrabbe Grapsus grapsus. Sie ist ein Topjäger innerhalb der Gezeitenzone und hat bei Tage vor allem die vorderste Brandungsfront inne, man sieht sie ebenso regelmäßig an der Hafenmauer. Mit festem Griff hält sie sich auch in hereinstürzenden Wellen mühelos am Untergrund fest und benagt die Felsen, um den dünnen Aufwuchs (Algen oder Invertebraten) abzugrasen. Dabei macht sie ihrem englischen Namen Sally lightfoot crab alle Ehre: In ständiger Fluchtbereitschaft vor Küstenvögeln ist sie bei Tage kaum aus der Nähe zu beobachten. Während des nächtlichen Niedrigwassers schleicht sie über das gesamte Felswatt, möglicherweise vor allem auf der Suche nach Aas. Anders als ihr deutscher Name vermuten lässt, sind die meisten Vertreter der roten Felsenkrabbe vor den Kanaren komplett schwarz gefärbt.
Insgesamt wurden am Charco del Conde bisher 19 Arten höherer Krebse (Decapoda) gezählt, die zumeist dauerhaft und fast ausschließlich in der Gezeitenzone leben. Da diese Arten auf einem kleinen Areal nebeneinander existieren, sind sie unterschiedlich spezialisiert und bei Tage meist sehr gut getarnt oder versteckt. Der behaarte italienische Taschenkrebs ist hervorragend an die Umgebung in den flachen Algenrasen angepasst und ist somit vor allem dort zu finden. Mit seinen kräftigen Scheren zählt er zu den größeren Räubern. Einige weitere, teils ebenfalls räuberische Arten, wie die rote Runzelkrabbe Paractaea monodi, die graue Felsenkrabbe Plagusia depressa, die blaue Panzerkrabbe Xantho poressa und die Felsenkrabbe Pachygrapsus sp. sind primär nachtaktiv.
Allgegenwärtig im Felswatt ist eine bisher unbestimmte Art kleinwüchsiger Einsiedlerkrebse. Einsiedlerkrebse sind generell Allesfresser, die sich auch von Algen, Glasrosen und anderen kleinen Wirbellosen ernähren. Ihren weichen Hinterleib schützen sie in leerstehenden Schneckenhäusern, die sie im Zuge ihres Wachstums regelmäßig austauschen.
Der bunte Einsiedlerkrebs Calcinus tubularis steckt als sesshafter Bewohner regelmäßig (bzw. saisonabhängig) in den leeren Kalkröhren der Wurmschnecken.
Unter den Garnelen ist die Glasgarnele Palaemon elegans, die auch in der Nord- und in der Ostsee vorkommt, mit Abstand die häufigste. Sie ernährt sich von winzigen Nahrungspartikeln (tierisch, wahrscheinlich auch pflanzlich) und ist häufig auf größeren Wirbellosen (z. B. Seehasen, Anemonen, Seegurken) zu beobachten. Ob ihr eine Putzerfunktion zukommt, ist noch ungeklärt. Jedenfalls setzt sie sich unter Wasser auch gerne auf die ausgestreckte Hand oder zupft an den nackten Zehen der Badegäste.
Weitere Arten Garnelen wurden bisher nur nachts gesichtet: Die gepunktete Hummelgarnele Gnathophyllum elegans scheint - so lassen Aquarienversuche vermuten - zu ihrer Ernährung auf Seegurken angewiesen zu sein. Trotz ihrer Verbreitung im Mittelmeer ist über die Biologie dieser Art fast nichts bekannt. Die kleinen Einhorngarnelen Plesonika narval, die auch in größerer Tiefe vorkommen, leben im Felswatt überwiegend in Wohngemeinschaft mit einer Muräne und verraten durch ihr Auftreten deren Versteck. Die braungestreifte Garnele Brachycarpus biunguiculatus, ebenfalls kein ausschließlicher Gezeitenbewohner, scheint mit ihren großen Scheren ein Räuber zu sein, sie ließ sich mit Glasgarnelen ködern.
Die Schneckenfauna (Gastropoda) ist am Charco del Conde regelmäßig mit mindestens 18 Arten vertreten, davon leben die meisten Spezies ebenfalls dauerhaft in der Gezeitenzone. Einige der Gehäuseschnecken (bzw. Vorderkiemer - Prosobranchia) ernähren sich von Blaualgen. Die Kreiselschnecke Osillinus atratus und die Purpurschnecke Thais haemastoma sind hierzu besonders gut angepasst, beide Arten findet am meist oberhalb des Wasserspiegels. Die Napfschnecke Patella crenata, ebenfalls ein Blaualgengraser, kehrt bei ablaufendem Wasser immer wieder an die gleiche Stelle zurück, sodass auf dem Stein ein deutlicher Abdruck entsteht. Das deckelartige Gehäuse schließt dann besonders dicht an den Untergrund und kann über die Trockenperiode Wasser beibehalten.
Zahlreiche weitere Schneckenarten findet man bei Tage regelmäßig unter oder zwischen den Steinen am Rande der Lagune Charco del Conde (Wurmschnecken-Ring). Die meisten davon sind mehr oder weniger extreme Nahrungsspezialisten, z. B. an Nesseltieren, Schwämmen oder an bestimmten Algen und einige der Arten sind nicht nur im Flachwasser zu Hause. Häufig anzutreffen sind die Kauri oder Porzellanschnecke Luria lurida und die nachtaktive variable Kauri Erosaria spurca. Letztere Art kann ihr Gehäuse von außen mit einem gestrüppartigen Mantelsaum umkleiden, der dem Tier ein pflanzenähnliches Aussehen verleiht und es perfekt tarnt. Viele weitere Arten, die man unter den Steinen findet, haben ihr Gehäuse sekundär reduziert (Hinterkiemer - Opisthobranchia), bei einigen, den echten Nacktschnecken (Nudibranchia) ist das Gehäuse ganz zurückgebildet. Regelmäßig zu sehen: Die Pfirsichschnecke Berthella sp. und die Netzschnecke Pleurobranchus reticulatus (beide Hinterkiemer), sowie die zerbrechliche Nacktschnecke Discodoris fragilis und die rotbraune Ledernacktschnecke Platydoris argo.
Unter den Borstenwürmern (Polychaeta - Stamm Ringelwürmer, Annelida) ist der nachtaktive Feuerwurm Hermodice carunculata besonders auffällig. Das Tier misst ausgewachsen eine Länge von über 30 cm und ist anhand seiner blüschartigen weißen Borsten unverkennbar. Bei Berührung brechen die mit Widerhaken bewehrten Borsten ab und injizieren ein für den Menschen sehr schmerzhaftes Gift. Der Feuerwurm ernährt sich räuberisch von Seeanemonen und von Aas. Er ist zwar bis zur ausgewachsenen Körperlänge in der Gezeitenzone zu finden, hält sich ebenso jedoch auch in wesentlich tieferen Regionen auf. Ob das Gift eigentlich aus den Beutetieren stammt, wie es bei einigen räuberischen Hinterkiemerschnecken der Fall ist, konnte bisher noch nicht geklärt werden.
Es sind am Charco del Conde noch einige weitere, kleinere und bisher unbestimmte Wurmarten zu sehen, darunter auch Vertreter der Schlauchwürmer.
Von den Stachelhäutern (Echinodermata), die regelmäßig am Charco del Conde zu finden sind, scheint sich neben den sessilen Seeigeln nur der Schlangenstern Ophioderma longicaudum bis zum Ende seines Lebenszyklus im Felswatt aufzuhalten. Obwohl die Schlangensterne im Vergleich zu anderen Stammesvertretern äußerst mobil sind, konnten sie bisher ausschließlich am Rande der Lagune gesichtet werden und zwar dort in großer Zahl.
Sie sind nachtaktiv, halten sich aber auch in der Dunkelphase ständig unter den Steinen auf. Ihre Ernährungsweise ist gemischt: Plankton, das mit den Armen eingefangen wird, Detritus (Zersetzungsprodukte), wahrscheinlich auch räuberisch.
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Der Charco del Conde als "Kinderstube"
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Fische
Die Kastenmaul-Meeräsche Liza aurata (Familie Meeräschen - Mugilidae) gehört zu den ersten Arten, denen man am sogenannten "Baby-Beach" begegnet. Vor allem in der Lagune Charco del Conde tummeln sich ganzjährig große Schwärme sehr junger Meeräschen, die dort vor Raubfischen geschützt sind. Als Allesfresser ernähren sich die Fische von Algen, Plankton, Kleinkrebsen und organischem Abfall. Die Kinder machen sich häufig einen Spaß daraus, sie mit Brot scharenweise anzulocken und dann in Plastiktüten oder gar mit der bloßen Hand zu fangen. Etwas größere bis ausgewachsene Meeräschen (bis 5 kg schwer) dominieren regelmäßig die Fauna vom Hafenbecken, da sie sich auch von Fischerei-Abfällen ernähren.
Zahlenmäßig mit Abstand an zweiter Stelle folgen am Charco del Conde die bunten Meerpfaue Thalassoma pavo (Familie Lippfische - Labridae). Es handelt sich hier ausnahmslos um Weibchen. Die Vertreter der Lippfische schlüpfen nämlich grundsätzlich mit weiblichen Geschlecht und wandeln sich erst im Laufe ihres späteren Lebens zu Männchen um.
An dritter Stelle folgen zwei Arten Meerbrassen: Die große Geißbrasse Diplodus sargus und etwas weniger häufig die Zweibinden-Brasse Diplodus vulgaris (Familie Meerbrassen - Sparidae). Gelegentlich zu sehen sind junge Weitaugenbutts Bothus podas maderensis und zu bestimmten Zeiten treten Scharen von Jungfischen bzw. Fischlarven anderer Arten auf (z. B. Neon-Riffbarsch Abudefduf luridus).
Geringelter Seehase
Auch unter den Wirbellosen sind es gerade die auffälligsten Tiere, die sich nur vorübergehend im Felswatt aufhalten.
Allen voran ist der geringelte Seehase Aplysia dactylomela zu nennen. Diese riesige Hinterkiemerschnecke (ausgewachsen bis 40 cm) trägt nur noch den Rest eines Schneckenhauses in ihrem Leib. Der Mantel, also das Organ, welches das Gehäuse ursprünglich von innen umkleidet, ist zu großen auffälligen "Lappen" umgebildet. Einige Arten der Seehasen (z. B. die spanische Tänzerin) können mithilfe dieser Mantellappen im freien Wasser schwimmen, beim geringelten Seehasen ist dies jedoch nicht der Fall. Aplysia dactylomela ist ein reiner Grundbewohner und zur Ernährung ausschließlich auf bestimmte Rotalgen angewiesen. Bisher konnten experimentell zwei favorisierte Algen in Erfahrung gebracht werden: Asparagopsis taxiformis und Laurencia obstusa. Die erste der beiden Arten bildet im Flachwasser weit verbreitete kleinwüchsige Wälder, dringt jedoch nicht bis in die Gezeitenzone vor. Sie wird dort allenfalls regelmäßig angespült. Die zweite Art gedeiht an besonders stark brandungs- bzw. strömungsexponierten Stellen, wahrscheinlich sind diese Standorte für die Tiere eher unzugänglich. Denkbar ist, dass die Laurencia-Bestände aufgrund der starken Beweidung an diese Standorte zurückgedrängt wurden.
Tatsächlich konzentriert sich die Seehasen-Population bei Niedrigwasser in einem Gezeitenpool, der unmittelbar an das Laurencia-Vorkommen grenzt. Dort finden bei Tage hin und wieder sogar Paarungen statt. Da die Seehasen simultane Hermaphroditen sind, also zugleich beide Geschlechter ausgebildet haben, können sie zur Fortpflanzung lange Ketten aus Dutzenden von Individuen bilden. Dies findet anscheinend jedoch nur in größeren Tiefen statt. Im Flachwasser vollzieht sich die Paarung in der Regel zwischen zwei Partnern und außerhalb der Gezeitenzone meist nachts.
Über mögliche Fraßfeinde des geringelten Seehasen ist mir derzeit nichts bekannt. Da Aplysia dactylomela die Gezeitenzone intensiv als "Kinderstube" nutzt, obgleich eine der stark favorisierten Algen eher außerhalb dieser Zone wächst, ist anzunehmen, dass es solche gibt. Zudem haben die Seehasen eine anscheinend effektive Verteidigungsstrategie entwickelt: Der Farbstoff aus den Rotalgen wird in einem Reservoir gespeichert und bei Bedarf in Form einer intensiv lilafarbenen Tintenwolke freigegeben. Diese Abwehrreaktion lässt sich bei den in der Gezeitenzone lebenden juvenilen Seehasen jedoch nur mit Nachdruck provozieren, was dafür sprechen mag, dass es im Flachwasser an natürlichen Feinden fehlt. Ausgehend von ihrer "Hauptzentrale" verbreiten sich die geringelten Seehasen phasenweise über das gesamte Felswatt aus. Die von der Brandung abhängige, mehr oder weniger weite Verstreuung abgerissener Pflanzenteile über das Gebiet scheint ein maßgeblicher Faktor für das jeweilige Verbreitungsmuster zu sein.
Seegurken
Die variable Seegurke Holothuria sanctori stellt am Charco del Conde wahrscheinlich den Hauptanteil tierischer Biomasse. Tagsüber sind die Tiere unter den Steinen versteckt, nachts kriechen sie in ungeheurer Individuendichte über das Felswatt. Sie scheinen sich dort hauptsächlich von Zersetzungsprodukten im Substrat zu ernähren. Unverdauliches Sediment wird in der Form langer "Würstchenketten" ausgeschieden. Die Verteidigungsstrategie dieser extrem langsamen Tiere, die übrigens keinen Vergleich zum Tempo der Meeresschnecken aushalten, ist überaus wirkungsvoll: Bei Provokation werden mit einem Wasserstrahl sogenannte Curvier´schen Schläuche ausgeschieden. Diese formen unter Wasser augenblicklich ein weites Netz aus klebrigen Fäden, die eine erhebliche Gefahr für andere Meeresbewohner darstellen, sich darin zu verfangen und zu ersticken. Einige Arten sondern zusätzliche, mehr oder weniger giftige Hemmstoffe aus oder entledigen sich bei Angriff gar einem Teil ihrer Eingeweide (Magen-Darm-Trakt), den sie später regenerieren.
Verständlicherweise haben die Seegurken kaum natürliche Feinde. Einer der wenigen Tiere, die sich dennoch von Seegurken ernähren, ist die vor den Kanaren heimische große Seespinne Maja squinado. Am Charco del Conde wurden bisher jedoch nur sehr kleine Individuen dieser Krabbenart gesichtet. Ebenso wurden bisher keine Küstenvögel bei der Jagd auf Seegurken oder Seehasen beobachtet. Aufgrund des reichhaltigen Nahrungsangebot und der fehlenden Fraßfeinde ist das Felswatt anscheinend die ideale Aufwuchsstätte. Neben der variablen Seegurke Holothuria sanctoria, die in verschiedenen Farbmusterungen auftaucht, sind die purpurrote Seegurke Holothuria arguinensis sowie eine weitere, nicht näher bestimmte Art, regelmäßig zu sehen.
Vielarmiger Seestern
Der vielarmige Seestern oder Dornenstern Coscinasterias tenuispina, der ausgewachsen einen Durchmesser von einem halben Meter erreicht, ist regelmäßig mit kleinen Individuen im Felswatt vertreten. Die meisten der Exemplare besitzen acht statt fünf Arme. Das Regenerationsvermögen dieser Tiere ist so außerordentlich, dass sogar aus einem einzelnen abgerissenen Arm ein neues Individuum entstehen kann. Diese Fähigkeit wird neben der sexuellen Fortpflanzung häufig schon bei juvenilen Tieren zur ungeschlechtlichen Vermehrung genutzt. Daher findet man regelmäßig Seesterne mit vier langen und vier kurzen, nachwachsenden Armen. Da der Dornenstern ein vielseitiger Räuber ist, gehört er zu den bedeutenden Schlüsselspezies der Benthos-Fauna. Sowohl eine Über- als auch eine Unterpopulation an Seesternen kann empfindliche Folgen für das ökologische Gleichgewicht haben. Ausgewachsene Exemplare überfallen nicht nur Muscheln und Schnecken, sondern auch kleinere Artgenossen, schlafende Tiere (eventuell Fische) und Diademseeigel.
Die Art und Weise, wie der Seestern seine Beute einverleibt, ist spektakulär: Hierzu gibt er seinen Magen teilweise nach außen und verdaut außerhalb seines Körpers.
Seesterne, Seeigel, Schlangensterne, Haarsterne/Seelilien und Seegurken repräsentieren die fünf Klassen des Tierstamms Stachelhäuter (Echinodermata). Neben dem schon erwähnten Regenerationsvermögen weist diese rein marine Tiergruppe weitere außergewöhnliche Eigenschaften auf: Die (in der Regel) fünfstrahlige Körpersymmetrie, das hydraulische System der Ambulacralfüßchen und das mutabile Bindegewebe, das im Körperinneren jeden beliebigen Zustand zwischen fest und flüssig bewirkt. Die Körperoberfläche (Integument) besteht aus Kalkplatten, die, wie bei den Seegurken mikroskopisch klein oder wie bei den Seeigeln zu einer geschlossenen Kapsel verwachsen sein können. Vertreter aller fünf Klassen wurden bisher am Charco del Conde gesichtet. Neben den erwähnten Arten scheint auch der Diademseeigel Diadema antillarum das Felswatt als "Kinderstube" zu nutzen.
Krebse
Während zahlreiche benthische Krebsarten grundsätzlich in der Gezeitenzone beheimatet sind, erscheint das Revier auch für solche Arten geradezu ideal, die ausgewachsen (in der Adulphase) tiefer gelegene Küstenabschnitte bevorzugen: Generell beginnt der Lebenszyklus bei fast allen höheren Krebsen mit einer Verbreitungsphase als freischwimmende Larven im Plankton. Sowohl die Fortpflanzung als auch die Neuansiedlung im Benthos (Meeresgrund-Gemeinschaft) nach Beendigung der Planktonphase sind relativ streng an die Gezeiten und an die Mondphase gekoppelt. Die Larven schlüpfen überwiegend in einer Nacht zu Vollmond oder Neumond, und zwar unmittelbar zu Beginn des ablaufenden Wassers (Ebbe). Da der Tidenhub zu diesen Zeiten entsprechend hoch ist, werden sie weit aufs offene Meer hinausgetragen, was die Erschließung entlegener Küstenabschnitte begünstigt. Mit dem Abschluss der meist mehrwöchigen Planktonphase gelangen die Larven (im Megalopa-Stadium) durch ein perfektes Timing mit den Gezeiten zurück an die Küste: Bei Flut halten sie sich an der Wasseroberfläche, bei Ebbe am Meeresgrund. An den neu besiedelten Flächen machen die Krebslarven - sofern wesentliche Gunstfaktoren vorhanden sind - eine Metamorphose (Verwandlung) zu ihrer endgültigen Körpergestalt durch. Zu Beginn der nun folgenden Juvenil-Phase ("Jugendphase") sind die jungen Krebse nur wenige Millimeter groß.
Um dem Fraßdruck zu entgehen, sind sie auf sehr gute Verstecke angewiesen. Die dichten Algenrasen am Charco del Conde, insbesondere die der Trichteralge Padina pavonica scheinen hierzu besonders geeignet, zudem ist die Fischfauna dort auf ganz wenige Arten reduziert, die sich von Kleintieren ernähren (z. B. Grundeln, Meerpfaue). Tief zwischen den Algen-Thalli versteckt findet man regelmäßig juvenile Krebse sämtlicher Arten, darunter z. B. auch die große Seespinne Maja squinado, deren Carapax (Panzer) ausgewachsen eine Länge von bis zu 25 cm erreicht und die dann meist in größerer Tiefe lebt. Vereinzelt zu sehen sind auch kleinere Gespensterpfeilkrabben Stenorhynchus lanceolatus. Die bunten Flachkrabben Percnon gibbesi nutzen das gesamte hintere Felswatt, bis sie die Größe von einigen Zentimetern erreicht haben. Sie sind mitunter scharenweise zwischen den Steinen zu sehen und ernähren sich, wie die anderen beiden Arten auch von Algen. Allerdings beschränken sie sich auf Grünalgen und kommen daher außerhalb der Gezeitenzone nur in maximalen Tiefen von wenigen Metern vor.
Sonstige
Bezeichnet man das Felswatt am Charco del Conde als eine "Kinderstube", so ist der Algenrasen vergleichbar mit einem Laufställchen. Neben den winzigen Krebsen halten sich zwischen den Thalli regelmäßig juvenile Schlangensterne, Feuerwürmer, Schnecken und andere Arten versteckt, man findet häufig auch kleinere Brutgelege (Größere Brutgelege von Schnecken sind meist unter den Steinen festgeheftet). Zahlreiche Algenarten breiten sich erst im Frühjahr aus und verschwinden wieder zum Herbst. Somit haben die Jahreszeiten trotz der relativ gleich bleibenden Wassertemperatur im offenen Meer (ca. 18° -25°C) erheblichen Einfluss auf den Fortpflanzungszyklus zahlreicher mariner Tiere.
Einer der wirbellosen Topjäger, der regelmäßig in das Felswatt einfällt, ist der gemeine Krake Octopus vulgaris. Leider werden die Tiere dort regelmäßig von einheimischen Fischern abgefangen, wobei es sich in der Regel nur um kleinere bis mittelgroße Exemplare handelt. Dies hat zur Konsequenz, dass auch außerhalb der Gezeitenzone nur selten voll ausgewachsene Exemplare gesichtet werden. Mehr dazu: siehe Überfischung.
Bei der Maskenmuräne, die im Felswatt auch von Einheimischen gefangen wird, handelt es sich ebenso um kleinere Individuen.
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Offenes Meer
Abgesehen von seiner einzigartigen Küstenfauna ist La Gomera zugleich einer der weltbesten Orte zur Beobachtung freilebender Wale und Delfine (Cetaceen). Während der letzten 16 Jahre, seitdem der Club de Mar vor La Gomera sanftes Whalewatching und Feldforschung betreibt, wurden insgesamt 21 verschiedene Arten Walartige (Cetaceen) gesichtet. Dies entspricht etwa einem Viertel aller heute lebenden Arten!
Dabei handelt es sich teils um feste Populationen, die sich ganzjährig zwischen La Gomera und Teneriffa aufhalten und während der Ausfahrten regelmäßig zu sehen sind; darunter indische Grindwale, Fleckendelfine und große Tümmler. Zum anderen Teil handelt es sich um Saisongäste, wie den tropischen Bryde-Wal, der nur das wärmere Halbjahr hier verbringt oder die gemeinen Delfine, die hingegen Winter und Frühjahr bevorzugen.
Schließlich gibt es eine dritte Gruppe, vornehmlich von Bartenwalen, die auf der Durchreise regelmäßig an den kanarischen Inseln vorbeiziehen. Darunter die riesigen Blauwale, Buckelwale, Seiwale und sogar Nordkaper, deren weltweiter Bestand zurzeit nur auf 350 Tiere geschätzt wird. Unter den durchreisenden Zahnwalen sind nicht nur Pottwale und Orcas vertreten, sondern auch vollkommen exotische Arten wie Borneo-Delfine.
Neben den Meeressäugern halten sich auf hoher See sämtliche Haiarten auf; von den vier Meter langen Hammerhaien, Kurzflossen-Makos bis hin zu 12 Meter langen Walhaien. Gelegentlich sind Teufelsrochen (Mantas) zu sehen, ebenso die großen, unförmigen Mondfische.
Dichte Schwärme von Makrelen und atlantischen Bonitos bilden nicht nur eine Hauptnahrung für bestimmte Wal- und Delfinarten, sie werden auch von Barracudas, Gelbflossen-Thunfischen, und Schwertfischen (Merlins) gejagt. Während des Frühjahrs erfolgt überdies eine Invasion von portugiesischen Galeeren. Zu dieser Zeit sind auch relativ viele der vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten unterwegs und die Gelbschabel-Sturmtaucher (Pardelas) kehren aus Lateinamerika zurück.
Steckbriefe einiger Arten
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"Flecki"
Atlantischer Zügeldelfin, Fleckendelfin
Wiss. Name: Stenella frontalis
Max. Länge: bis 2,3 m
Gewicht: bis 140 kg
Länge bei Geburt: 0,9 - 1,2 m
Nahrung: Fisch, Tintenfisch, Benthos
Bei den Fleckendelfinen Stenella handelt es sich um eine Gattung kleiner, tropischer Delfine, die rund um den Globus in warmgemäßigten bis tropischen Meeren verbreitet ist. Sie sind die lebhaftesten und springfreudigsten Meeressäuger überhaupt.
Als unbestrittener Meister seiner Klasse gilt der Spinnerdelfin Stenella longirostris, der bis zu sieben Meter hoch springt und sich dabei wie ein Korkenzieher bis zu siebenmal um seine eigene Längsachse dreht.
Nicht ganz so akrobatisch, jedoch ebenfalls springfreudig ist der atlantische Zügeldelfin oder Fleckendelfin Stenella frontalis, der sich rund ums Jahr vor La Gomera beobachten lässt.
Bei gemächlich herannahenden Booten reiten die Delfine meistens begeistert auf der Bug- oder Heckwelle und zanken sich dort mitunter um die besten Plätze. Einerseits haben sie damit eine energiesparende Reisemöglichkeit entdeckt, die wahrscheinlich auf einem natürlichen, angeborenen Verhalten beruht. Es wurde nämlich beobachtet, dass einige Arten ebenfalls in der Bugwelle großer Bartenwale "per Anhalter" umherziehen. Andererseits scheint den Delfinen dieses Spiel so gut zu gefallen, dass sie dafür auch außerplanmäßig weite Strecken in Kauf nehmen.
Regelmäßig im Frühjahr treffen vor La Gomera riesige Verbände von bis zu einigen Hundert Fleckendelfinen zur Hauptpaarungszeit zusammen. Dabei sind die Delfine völlig promiskuitiv - beide Geschlechter wechseln vorbehaltlos ihre Partner. Die stärkste soziale Bindung innerhalb der offenen Schulen entwickelt sich schließlich zwischen der Mutter und ihrem neugeborenen Kalb.
Doch auch diese Bindung ist nur vorübergehend. Heranwachsende Fleckendelfine lösen sich bald sich aus den Kind/Erwachsenen-Verbänden und ziehen in eigenen "Jugendgangs" umher. Da ihre Fleckenzeichnung erst mit zunehmendem Alter entsteht, werden sie von ungeübten Beobachtern leicht mit großen Tümmlern verwechselt.
Zum gemeinsamen Nahrungserwerb bilden die Fleckendelfine zuweilen Schulen von einigen Duzend, Hundert oder sogar mehreren Tausend Tieren. Auf ihrer Jagd nach kleineren Hochseefischarten (z. B. Makrelen, Bonitos) machen sie gerne gemeinsame Sache mit Gelbflossen-Thunfischen. Während die Thune die Beute an die Wasseroberfläche treiben, bilden die Delfine um sie herum ein riesiges Karussell, sodass es auch zur Seite hin kein Entrinnen gibt.
In der Mitte des Karussells beginnt das Wasser sprichwörtlich zu "brodeln" - schließlich wird die zusammengepferchte Beute gleichzeitig aus der Luft von riesigen Schwärmen Seevögel (z.B. Gelbschnabel-Sturmtaucher) attackiert.
Doch als Gewinner bleibt leider oft genug der Mensch alleine, der um das ganze Spektakel herum ein riesiges Ringwaden-Netz zieht.
Durch solche Fangmethoden und durch die Stellnetzfischerei wurden die weltweiten Bestände der Fleckendelfine bis heute drastisch reduziert. In den 1960´er und 1970´er Jahren waren es jährlich Hunderttausende von Delfinen, die als Beifang getötet wurden. Erst seit den 1980´er Jahren wurden Regulationen wirksam und seitdem wird "delfinfreundlich" gefangener Thunfisch angeboten.
Die einheimischen Fischer La Gomeras gehen nach wie vor mit sehr traditionellen und ökologisch verträglichen Methoden auf Fischfang.
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"Flipper"
Großer Tümmler
Wiss. Name: Tursiops truncates
Max. Länge: bis 4 m
Gewicht: bis 650 kg
Lebensdauer: 30 Jahre
Geschlechtsreife: ♀ 10, ♂ 13 Jahre
Tragzeit: 12 Monate
Länge bei Geburt: 0,8 - 1,2 m
Stillzeit: 12 Monate - 4 Jahre
Tauchtiefe: 600 m
Dauer der Tauchgänge: 8 min.
Höchstgeschwindigkeit: 35 km/h
Nahrung: Fisch, Tintenfisch, Plankton
Gäbe es einen Titel "König der Delfine" so, wäre er treffend gewählt für den großen Tümmler Tursiops Truncatus. Mit einer Länge von bis zu vier Metern und bis zu 650 kg Gewicht ist er deutlicher größer als alle anderen echten Delfine. Er ist weltweit von den Kühlgemäßigten bis in die Tropen verbreitet, in flachen Küstenregionen, wie auf hoher See. Er passt sich hervorragend an die verschiedensten Lebensräume an, hat die unterschiedlichsten Jagdstrategien entwickelt und sein Speiseplan ist so vielfältig, wie bei kaum einer anderen Art.
Aus der Haltung in Gefangenschaft weiß man heute sehr viel über ihn. Er gilt als überaus gelehrig, menschenfreundlich, lebhaft und verspielt. Allerdings kennen ihn die wenigsten Menschen aus freier Wildbahn.
Große Tümmler verfügen über ein erstaunliches Verhaltensrepertoire und die Fähigkeit, erlernte Beutefangtechniken an nachfolgende Generationen zu vermitteln. So wurde von Werkzeuggebrauch berichtet. Etwa das Überstecken von Meeresschwämmen, um sich auf der Nahrungssuche im Sandgrund vor eingegrabenen Lauerjägern zu schützen.
Herauszustellen ist auch die Fähigkeit zur Kooperation der Delfine untereinander oder mit anderen Arten. Beispielsweise treiben die Tümmler in der Bucht Baja California ihre Beute mit vereinten Kräften aufs Trockene und rollen sich dann selbst an den Strand, um dort die zappelnden Fische zu packen.
Vor Florida betätigt sich je einer der Tümmler als driver und scheucht Fische auf, die sich mit einem langen Sprung in die Luft zu retten versuchen. Dort fliegen die Fische allerdings direkt in die aufgerissenen Mäuler der Artgenossen die sich passend zu einer Barriere formiert haben.
Vor Mauritania kooperieren die großen Tümmler sogar seit Generationen mit den lokalen Fischern. Beide, sowohl Mensch als auch Delfin, geben sich untereinander Zeichen, wenn sie küstennahe Fischschwärme ausmachen. Die Fischer schlagen mit Ruten aufs Wasser, die Delfine signalisieren ihre Bereitschaft durch Luftsprünge. Während die Einheimischen mit ihren langen Netzen eine Barriere im flachen Wasser bilden, treiben die Großtümmler die aufgescheuchten Fische direkt dort hinein. Bei dieser Treibjagd machen beide Parteien überaus reiche Beute.
Vor La Gomera jagen die großen Tümmler oft in kleineren Gruppen von 5 bis 20 Tieren, nur selten sind es bis zu 100. Sie sind mit Abstand die häufigsten Meeressäuger, die man vor Ort küstennah und mit etwas Glück sogar vom Balkon seiner Wohnung aus beobachten kann. Beim Jagen springen sie häufig und mehrere Meter hoch - die Sprünge dienen als Signal an die Artgenossen und ebenso, um durch den Aufprall Fischschwärme zusammenzutreiben.
Insgesamt bestehen um die kanarischen Inseln herum ganzjährig anwesende, stabile Populationen von mehreren Hundert großen Tümmlern, die miteinander im Austausch stehen. Seit Einführung der Schnellfähre sollen die küstennahen Sichtungen vor Valle Gran Rey und südlich davon zurückgegangen sein. Da durchgehend erfasste Daten fehlen, ist dies allerdings statistisch nicht zu belegen.
Innerhalb der Populationen der großen Tümmler unterscheidet man mindestens drei soziale Organisationen: Kindergärten, Jugendgangs und Männergruppen.
Letztere bilden untereinander die beständigste Beziehung. Da Großtümmler nur alle 4 - 5 Jahre gebären, nutzen die Bullen jede sich bietende Gelegenheit zur Paarung. Nicht selten bedrängen sie unwillige Weibchen durch Stöße und Bisse oder schüchtern sie durch Rufe ein. Allerdings wird sexuelles Verhalten nicht ausschließlich zur Fortpflanzung eingesetzt, sondern auch, um soziale Bindungen zu festigen. Zudem scheint eine gewisse Hackordnung zu bestehen, die von größeren Männchen beherrscht wird.
Mit zunehmendem Alter werden die Männergruppen immer kleiner, bis sie schließlich nur noch aus zwei bis drei Tieren bestehen.
Die Kindergarten-Schulen setzen sich ausnahmslos aus Müttern mit ihren Jungen, sowie weiteren geschlechtsreifen Weibchen zusammen. Nach einer Tragzeit von etwa 12 Monaten kommen die Kälber zur Welt. Oft unter Mithilfe von Hebammen bzw. "Tanten" wird das Kleine sofort an die Wasseroberfläche gestoßen, um seinen ersten Atemzug zu tun. Die Brutpflege der großen Tümmler ist intensiver als bei vielen anderen Arten. Von 12 Monaten bis über vier Jahre kann das Säugen der Jungen dauern; dabei wird die fettreiche Milch unter Wasser direkt ins Maul des Säuglings gespritzt.
Männliche Heranwachsende verlassen schließlich die Kindergärten und bilden Jugendgangs. Zuweilen schließen sich ihnen weibliche Heranwachsende an, um das Sozialverhalten zu erlernen. Manche Weibchen begleiten ihre Mutter allerdings ein Leben lang.
Beobachtet man eine Schule großer Tümmler vom Boot aus, verhalten sich die Tiere deutlich zurückhaltender als andere Delfinarten. Sie reiten weniger häufig in der Bugwelle und wenn man sie kennenlernen will, erfordert dies eine respektvolle, geduldige und langsame Annäherung. Nur zögerlich nehmen die Tiere Kontakt mit den Booten auf - dann jedoch sind sie für jede Überraschung gut!
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Common Dolphin
Gewöhnlicher Delfin Delphinus delphis
Der gewöhnliche Delfin ist derjenige, der in der Antike am häufigsten dargestellt wurde und seiner mehrfarbigen Zeichnung wegen als einer der schönsten beschrieben wird. Er gehört mit einer Durchschnittslänge von etwa zwei Metern zu den kleineren Arten und ist in Europa am weitaus stärksten verbreitet. Ebenso wie die Fleckendelfine können die "Commons" in sehr großen Schulen, teilweise von mehren Tausend Tieren auftreten. Vor La Gomera halten sie sich insbesondere im Frühjahr ab Januar auf. Gegenüber Fleckendelfinen sind sie etwas zurückhaltender, kommen jedoch auch in die Bugwelle und springen lebhaft aus dem Wasser.
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Rauzahn-Delfin
Steno bredanensis
Rauzahn-Delfine werden im Vergleich zu den anderen Arten selten gesichtet, da sie sich in größerer Entfernung zur Küste aufhalten. Zudem sind sie recht scheu und tauchen mitunter bis zu 15 Minuten. Sie sind etwas größer als Fleckendelfine (durchschnittlich knapp zweieinhalb Meter) und aufgrund ihrer Kopfform unverkennbar: Der typische Delfinschnabel fehlt, da die Schnauze ohne Falte in die Stirn übergeht. Die großen Augen verleihen dem Kopf einen reptilienähnlichen Ausdruck. Die deutsche Art-Bezeichnung rührt von den einzigartigen Längsrillen in den Zähnen.
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Bryde-Wal
Balaenoptera edeni
Dieser Bartenwal ist den Sommer über sehr regelmäßig zu sehen. Ausgewachsene Bryde-Wale können fast 15 Meter lang werden und bis zu 20 Tonnen schwer. Im Gegensatz zu anderen Bartenwalen ernährt er sich größtenteils nicht von Plankton, sondern von Fisch, den er zu dichten Schwärmen zusammentreibt. Zum Beutefang nimmt er jedes Mal einen sehr großen Schluck, wobei sich die Kehlfurchen außerordentlich dehnen. Das Wasser wird dann zwischen den Hornplatten des Oberkiefers (den Barten) herausgepresst, wobei die Beute hängen bleibt und schließlich mit der Zunge abgeleckt wird.
Der Blas des Bryde-Wals, also die Atemluft, die unter hohem Druck ausgestoßen wird und daher kondensiert, ist in der Regel meterhoch und steht für einige Sekunden über dem Wasser. Von weitem ist er gut sichtbar. Manchmal hat man das Glück, dass ein Bryde-Wal neugierig an das Boot heranschwimmt oder plötzlich unmittelbar neben dem Boot auftaucht. Bei entsprechender Windrichtung kann man den Blas intensiv riechen. Häufig sind die Bryde-Wale alleine unterwegs, die gleichzeitige Sichtung von bis zu einem halben Duzend Tieren ist jedoch ebenso möglich.
Der Bryde-Wal wird trotz des internationalen Moratoriums von Japanern regelmäßig gejagt.
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Pilotwal
Indischer Grindwal Globicephala macrorhyncha
Die Grindwale halten zwar noch keineswegs einen Größenvergleich zu den wirklichen Riesen der Ozeane aus, sie kommen mit ihren bis zu sieben Metern jedoch immerhin an die Länge der kleineren Boote Ra und Canope heran. Durch ihr langsames Auf- und Abtauchen wirken sie majestätisch, überdies sind sie das ganze Jahr vor La Gomera extrem häufig zu beobachten. In der Regel sind sie immer in Schulen von 10 - 30 Tieren unterwegs, wobei eine Schule in kleine Untergruppen bzw. Familien gesplittet ist.
Die Grindwale ernähren sich hauptsächlich von Tintenfischen, nach denen sie über 500 Meter tief tauchen. Überwiegend sind sie nachtaktiv und legen bei Tage ausgedehnte Ruhephasen ein. Man sieht ihre schwarzen Rücken und die gebogenen Finnen von weitem im Sonnenlicht an der Oberfläche glänzen. Meist lassen sie die Boote sehr nahe an sich heran oder kommen sogar von sich aus ans Boot. Dass sie sogar in der Bugwelle reiten, erlebt man jedoch selten. Manchmal schießen vor allem Jungtiere und Kälber mit dem Kopf senkrecht aus dem Wasser, um das Boot und seine Besatzung zu beobachten (Spyhopp).
Der Zweitname Pilotwal rührt wahrscheinlich daher, dass die ganze Schule einem Tier folgt, das verletzt oder in die Enge getrieben wird. Dieses Verhalten macht man sich noch heute vor den zu Dänemark gehörenden Färöern zu nutze, wo man ganze Herden des gewöhnlichen Grindwals ins seichte Wasser treibt und auf grausame Weise massenhaft abschlachtet. Die Kadaver werden großenteils zu Tierfutter verarbeitet.
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Cuvier-Schnabelwal
Ziphius cavirostris
Obwohl sie vor La Gomera relativ häufig sind, werden diese eigentümlichen Zahnwale mit der Kopfform eines Gänseschnabels beim Whalewatching kaum gesehen. Die bis acht Meter langen Tiere verhalten sich nur selten neugierig gegenüber den Booten. Im Gegensatz zu den Bryde-Walen tauchen sie lange (20 - 40 Minuten) und sehr tief (ca. 1000 Meter), wobei sie sich vornehmlich von Tintenfischen ernähren. Aufgrund ihrer Lebensweise sind sie durch den Einsatz militärischer Sonars besonders gefährdet: Von einer Sonar-Schallwelle getroffen, geraten die Tiere leicht in Panik und steigen überhastet aus großer Tiefe auf. Die sogenannte Taucherlähmung (Caisson-Krankheit) ist die Folge. Kohlendioxidbläschen perlen im Blut aus und verursachen Embolien im Gehirn und in anderen Organen; die Wale erleiden einen qualvollen Tod. Bisher kam es nach Nato-Manövern vor den Kanarischen Inseln regelmäßig zu Anstrandungen toter Wale, teilweise von Gruppen von über 20 Stück. - Jegliche Zusammenhänge werden von den Verantwortlichen abgestritten.
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Pardela
Gelbschnabel-Sturmtaucher
Diejenigen, die sich zum ersten Mal (außerhalb der Winterzeit) auf La Gomera aufhalten, sind regelmäßig über die sonderbaren Laute erstaunt, die man hier in der Nacht wahrnimmt
"Wir haben heute Nacht Delfine gehört", heißt es von Ahnungslosen. In Wirklichkeit handelt es sich um den Gelbschnabel-Sturmtaucher, der sich nach Sonnenuntergang an den Steilküsten um sein Brutgeschäft kümmert. Von den Einheimischen werden sie Pardelas genannt. Als Vertreter der Röhrenschnabel sind sie mit einer eigenen "Entsalzungsanlage", dem Doppelrohraufsatz auf dem Schnabel ausgestattet, was ihnen ein ständiges Leben auf dem Meer ermöglicht. Geschlechtsreife Weibchen legen jedes Jahr ein einzelnes großes Ei zwischen den Felsen, um den Nachwuchs wird sich nach Sonnenuntergang intensiv gekümmert. Die Jungvögel werden im Spätsommer flügge und starten ihre ersten Flugversuche. Dann reisen die Pardelas nach Südamerika, wo sie den ganzen Winter über verbringen.
Für das Whalewatching erfüllen die Pardelas eine außerordentlich wichtige Funktion: Sie profitieren davon, dass von den Delfinen und Walen (insbesondere Bryde-Wale) große Fischschwärme zusammengetrieben werden, über die sie sich dann von der Luft aus hermachen.
Sieht man am Horizont also große Schwärme dieser Vögel, die aufgeregt umherschwirren, sind die Meeressäuger meistens nicht weit.
Die Pardelas sind hervorragende Flugkünstler, die oft nur eine Handbreite über dem Wasser gleiten und bei engen Kurven mit den Flügelspitzen ins Wasser eintauchen. Daran kann man sie aus Entfernung gut von den Silbermöwen unterscheiden.
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Unechte Karett-Schildkröte
Caretta caretta
Eine wichtige Brutstätte der unechten Karett-Schildkröten liegt an den Ostküsten Floridas. Von dort aus bewegen sich die frisch geschlüpften Tiere zielstrebig in östliche Richtung auf den nahen Golfstrom zu. Mit dieser Meeresströmung gelangen sie zunächst in das Sargassomeer, eine riesige Wirbelströmung, in der losgerissene Tangwälder treiben, die ein reiches Nahrungsangebot und Schutz bieten. Erst wenn die Schildkröten fast ausgewachsen sind, wandern sie in einem großen Bogen um das Sargassomeer herum, wobei sie vor allem im Frühjahr recht zahlreich vor La Gomera eintreffen, bevor sie an ihre alte Brutstätte nach Florida zurückkehren.
Meeresschildkröten sind Allesfresser, die so ziemlich alles als Nahrung aufnehmen, was an der Wasseroberfläche treibt. Leider ist darunter sehr viel Müll. Mit Vorliebe halten sich die Tiere in Meeresströmungen auf in denen sich das Treibgut sammelt und häufig verfangen sie sich in Nylonnetzen, Plastiktüten, Säcken und anderem Unrat. Wir müssen die Tiere dann regelmäßig freischneiden und in schlimmen Fällen sogar zur Pflege nach Gran Canaria übergeben.
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Portugiesische Galeere
Physalia physalis
Dem Aussehen nach kaum besser zu beschreiben als ein aufgeblasenes Kondom, sind die portugiesischen Galeeren weltweit die zweitgiftigsten Quallen. Mit ihrem beweglichen Segel sind sie exzellente Navigationskünstler, sie vollführen Wenden und kreuzen sogar gegen den Wind auf. Die mit Kohlendioxid (CO2) und Stickstoff (N2) Schwimmglocke kann sich hierzu nach Belieben verformen.
Unter Wasser reichen die Fangtentakeln mitunter in mehr als 10 Meter, in Ausnahmefällen sogar bis in 50 Meter Tiefe. Eine portugiesische Galeere ist kein Einzeltier, sondern als Staatsqualle aus ganz vielen Individuen, den Polypen, zusammengesetzt. Unter diesen aneinandergewachsenen Polypen besteht eine strenge Aufgabenteilung, die etwa Fangen, Fressen und Fortpflanzen beinhaltet. Die Tentakeln enthalten zahlreiche Nesselkapseln, die unter hohem Druck stehen und bei Kontakt explodieren. Im Inneren der Kapseln liegt ein aufgewickelter Schlauch bereit, der sich dann blitzschnell nach außen umstülpt, den Panzer oder die Haut des Opfers durchschlägt und das Gift injiziert. Beim Menschen verursacht der Kontakt schwere Hautverbrennungen, bei Allergikern und Herzpatienten kann es zu lebensbedrohlichen Situationen (Atemnot, Herzstillstand) kommen. Da neben den Nesselzellen auch Kleb- und Wickelzellen vorhanden sind, ist es umso schwerer, sich aus den Fängen einer portugiesischen Galeere zu befreien. Saisonmäßig fallen die Staatsquallen vor allem im Frühjahr vor La Gomera ein, zu dieser Zeit ist unbedingte Vorsicht vor angespülten Exemplaren geboten.
In Begleitung der Quallen sieht man zuweilen Driftfische Schedophilus medusophagus.
Überfischung
Die Diademseeigel-Plage
Der schwarze Diademsseigel oder Lanzettseeigel Diadema antillarum ist gewöhnlich eine nachtaktive Art. Die Tiere können einen Durchmesser von fast einem halben Meter erreichen und ernähren sich an den Felsküsten als unspezialisierte Weidegänger von Algen. Mit ihren langen flexiblen Stacheln, die auch zur Lokomotion eingesetzt werden, sind sie vor fast allen Angreifern geschützt und bieten zusätzlichen Schutz für kleine Wirbellose und Fische, die sich in ihrer Nähe aufhalten. Die Stachelspitzen sind mit Widerhaken bewehrt und von einem giftigen Sekret umkleidet. Für den Menschen ist der Kontakt sehr unangenehm. Der Einstich ist schmerzhaft und die Haut läuft an dieser Stelle blau an, es besteht jedoch keine Gefahr (Als Gegenmittel: Essig löst die Kalkstacheln auf).
Diademseeigel vermehren sich wie andere Arten sexuell, indem die Männchen und die Weibchen ihre Gameten (Eier und Spermazellen) ins freie Wasser stoßen. Damit es außerhalb des Körpers auch zur Befruchtung kommt, sind die sexuellen Vorgänge bei allen Individuen exakt mit der Mondphase und der jeweiligen Gezeit synchronisiert. Die Larven entwickeln sich frei schwebend im Plankton, bis sie sich in einem gewissen Stadium an einer neuen Besiedlungsfläche niederlassen. Interessanterweise können Diademseeigel keine Flächen besiedeln, die von dichten Algenwäldern überwuchert sind. Sie kommen also vor allem dort vor, wo die Algenflora bereits angegriffen ist, um dann, sofern sie in Massen auftreten, sehr effektiv die Restbestände zu vernichten. Man spricht von einem bar rock-Syndrom (Syndrom der kahlen Felsen) und von einem biologischen Flip-Flop-System.
Unter dem Begriff Flip-Flop, der in der Digitaltechnik geläufig ist, muss man sich folgendes vorstellen: Man schiebt ein Wasserglas langsam über den Tisch bis zur Kante. An einem ganz bestimmten Punkt kippt das Glas über die Kante hinweg und fällt zu Boden. Es gibt also nur die beiden stabilen Zustände "auf dem Tisch" oder "auf dem Boden" und der Wechsel zwischen beiden Zuständen erfolgt schlagartig. Da in der Natur ein Zustandswechsel - oft herbeigeführt durch menschliches Eingreifen - ebenso schlagartig und unvermittelt erfolgt, spricht man in diesem Sinne von "umgekippten" Ökosystemen.
Das bar rock-Syndrom ist vor La Gomera, sowie vor anderen kanarischen Inseln, ein akutes ökologisches Problem. Die Diademseeigel treten stellenweise in solchen Massen auf, dass sie von ihrer nachtaktiven Lebensweise völlig abweichen und auch bei Tage die Felsen abweiden. Damit zerstören sie massiv die Nahrungsgrundlage für andere Arten und vor allem die Versteckmöglichkeiten für kleine Organismen, Nachwuchs und Brutgelege. Die Konsequenzen auf sämtliche Algen-, Wirbellosen- und Fisch-Bestände sind kaum auszudenken. Ökologisch wichtige Arten wie die Meerheide Cystoseira abies-marina wurden bereits unter Schutz gestellt. An manchen Orten, z. B. auf Teneriffa hat man Taucher losgeschickt, um der Katastrophe gezielt Herr zu werden. Meines Erachtens völlig unnötig: Diademseeigel vermehren sich sehr schnell und man bekämpft durch Massenvernichtung der Tiere keineswegs die Ursachen. Wie zahlreiche andere Probleme wurde nämlich auch dieses vom Menschen geschaffen: Der Diademseeigel hat einige wenige, aber mitunter sehr spezialisierte Feinde. Igelfische (Chilomycterus reticulatus), Drückerfische (Balistes carolinensis, Canthidermis sufflamen), Tritonshorne (Charonia variegata), ausgewachsene Eissterne (Martasterias glacialis) und Dornensterne (Coscinasterias tenuispina). Nun hat man aus den aufgeblasenen Igelfischen sehr dekorative Lampenschirme gebastelt, die in einigen Seemannskneipen zu bewundern sind. Die Tritonshorne lassen sich als "Muscheln mit Meeresrauschen" ebenfalls gut in Souvenirläden verkaufen. Die Drückerfische (spanisch Gallos) sind unter Fischfeinschmeckern begehrt, vor allem lassen sie sich gut harpunieren, da sie entweder neugierig sind, oder ihr Revier gegen den Eindringling verteidigen wollen. Den räuberischen Seesternen fehlt es schließlich aufgrund des bar rock-Syndroms an geeigneten Versteckmöglichkeiten. Ausgewachsene Exemplare, die einen Seeigel überwältigen könnten, sieht man daher immer seltener.
Wie mir ein Tauchpartner berichtete, soll das Ökosystem in dieser Beziehung immerhin vor El Hierro noch intakt sein: Aufgrund entsprechender Regulationen gäbe es dort genügend Drückerfische und fast keine Diademseeigel.
Die Jagd auf den Octopus
Der gemeine Krake (Octopus vulgaris) ist einer der besten Verwandlungskünstler im Tierreich. Da er mit Ausnahme seines Papageienschnabels und der beiden Linsenaugen keine Hartteile besitzt, kann er seinen Körper beliebig verformen und durch die engsten Spalte schlüpfen. Er ist weltweit verbreitet und in sämtlichen Küstenhabitaten - ob Hart- oder Weichböden - in einer Tiefe von 0 - 200 m zuhause. Ausgewachsene Männchen erreichen leicht eine Armspannweite von mehreren Metern und ein Gewicht von über 5 kg (angeblich sogar bis 25 kg), sie können mit ihren saugnapfbewehrten Armen etwa das Zehnfache ihres Eigengewichts ziehen.
Als Räuber ernähren sich die Kraken von Schnecken, Muscheln, Krebsen, Borstenwürmern und Fischen. Sie sind primär nachtaktiv und leben tagsüber in Höhlen, Felsspalten, selbstgebauten Burgen oder in Kulturabfällen wie Flaschen und Tonkrüge versteckt.
Für die Fischereiwirtschaft hat der Octopus natürlich eine enorme Bedeutung, bekommt man ihn doch vielerorts in Form von Tapas oder als leckeren Salat zubereitet. So gilt es im Mittelmeer-Raum (vor allem in Italien) als eine sportliche Betätigung, die Tiere unter Wasser in Schnorchelausrüstung zu harpunieren. Auf La Gomera ist diese Praxis mittlerweile zu Recht verboten. Den einheimischen Fischern im Tal Valle Gran Rey kommt es jedoch zugute, dass die Kraken regelmäßig das flache Felswatt am Charco del Conde aufsuchen. Wenn man die Verstecke gut kennt, kann man sie dort praktisch zu Fuß mit einer langen Stange aus ihren Tages-Unterschlüpfen herausziehen. Ob man den Charco del Conde nun als eine Kinderstube für Kraken ansehen darf oder nicht, Tatsache ist, dass dort sämtliche (und fast nur) Jungtiere in der Größenordnung bis schätzungsweise 1 kg herausgefischt werden. Als Konsequenz wird die Begegnung mit einem ausgewachsenen Tier an den umliegenden Felsküsten zu einem sehr seltenen Ereignis.
Nun gehört Octopus vulgaris keineswegs zu den gefährdeten Arten - im Gegenteil: Nach dem Motto live fast, die young verbreiten sich die Tiere extrem schnell, ein vollständiger Lebenszyklus dauert nur 2-3 Jahre. Allerdings erfüllt der Octopus als Top-Jäger eine wichtige Funktion zur Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichts. Ob er auch Seeigel frisst, wie ein kleiner Junge auf einer Felswattwanderung meinte, wäre noch zu prüfen, entsprechende Literaturangaben fehlen. Seine Hauptnahrung stellen auf jeden Fall Krebse dar. Vermindert sich nun der Jagddruck auf die Krebse, kann man davon ausgehen, dass der Druck auf die Nachwuchsformen zahlreicher anderer mariner Arten zunimmt, da sich die meisten Krebsarten räuberisch ernähren.
Sieht man von den unabschätzbaren Folgen auf weitere Bestände einmal ab, ist die Jagd auf den Octopus vor allem für Naturfreunde ein großes Ärgernis. Nicht nur, dass die Begegnungen mit diesem faszinierenden Tier allgemein seltener werden - der Fischer trifft auch eine unglückliche Auslese: Die neugierigen Kraken, die dem Beobachter sogar am helllichten Tage auf die ausgestreckte Hand kriechen (wie bisher ein einziges Mal auf einer meiner Felswattwanderungen geschehen), werden quasi weggezüchtet. Übrig zur weiteren Vermehrung bleiben diejenigen, die besonders gut versteckt und scheu sind.
Ganz ähnlich verhält es sich mit den Fischen. Bisher ist mir vor La Gomera beispielsweise noch kein einziges gutes Foto von einem Papageifisch gelungen. An Orten hingegen, an denen strenge Regulationen herrschen oder wo wenig gefischt wird, posieren die allgemein recht neugierigen Fische gerne vor der Kamera.
Meeresverschmutzung
Müllteppiche
Angesichts der gewaltigen Ausmaße der Weltmeere machte man sich lange Zeit überhaupt keine Gedanken um die Abfallentsorgung auf See. Tatsächlich herrschen in den Ozeanen relativ stabile Strömungsverhältnisse vor. Treib- und Sinkgut sammelt sich in permanenten Wirbelströmungen und es kommt an der Wasseroberfläche wie auf dem Meeresgrund zu ausgeprägten Müllteppichen. Der bisher größte treibende Müllteppich wurde im Frühjahr 2005 im Nordpazifik gefunden. In einer Ringströmung aus Nordäquatorial-, Kuroshio- und einem Teil des Nordpazifikstromes kreisen etwa 3 Millionen Tonnen Festmüll und überdecken eine Fläche in der Größenordnung Mitteleuropas. Die Müllmasse macht laut Schätzungen inzwischen das Sechsfache des dort lebenden Zooplanktons aus.
Das hat weitreichende Konsequenzen für die komplette Meeresflora und -fauna: Oberflächennahe Wasserschichten werden abgeschattet, dadurch findet die marine Primärproduktion durch Algen nicht mehr in gewohnter Weise statt. Aufgrund der riesigen Gesamtoberfläche der Wegwerfartikel wirkt das Feld wie ein Schwamm für giftige Substanzen. DDT und PCB wurden dort bereits in Millionenfach höheren Konzentrationen gemessen als im umgebenden Wasser. Diese Gifte reichern sich auf ihrem Weg durch die Nahrungskette in den Organismen an und landen schließlich bei uns auf dem Mittagstisch. Außerdem werden die Wegwerfartikel regelmäßig für Beute gehalten und gefressen. Vor allem Meeresschildkröten sind gewohnt, völlig wahllos aufzunehmen, was an der Oberfläche treibt. Bereits achtlos weggeworfene Zigarettenfilter können fatale Folgen für diese vom Aussterben bedrohten Tiere haben. Plastikteile werden unter Wellenbewegungen zu kleinen Kügelchen, den sogenannten pellets verarbeitet. Davon ernähren sich mit Vorliebe Küsten- und Seevögel, um dann mit vollem Magen zu verhungern. Größere Kunststoffverpackungen werden auch von Walen gefressen. Andere Meeresbewohner verfangen sich in Tüten, Konservendosen oder in Plastikschlingen. Können sie sich nicht befreien und leben weiter, schneiden diese Teile im Laufe des weiteren Wachstums tief ins Fleisch oder verursachen schwere Deformationen.
Man schätzt, dass pro Jahr Millionen von Tieren als direkte Folge an der Vermüllung zugrunde gehen. Besonders gefährlich sind verloren gegangene Fischernetze (ghost nets), in denen sich jährlich allein 30.000 Pelzrobben verfangen.
Plastik- und Kunststoffgegenstände, die heute den Großteil der Müllberge und -seen ausmachen, sind äußerst beständig gegenüber der Witterung. Bis zu 500 Jahre mag es dauern bis solche Materialien in ihre endgültigen, meist toxischen Bestandteile zersetzt sind. Dabei ist die Seeschifffahrt zu eher geringen Teilen an dem marinen Müllaufkommen beteiligt. Der überwiegende Teil, nämlich 80% wird durch Wind, Flut und Regen vom Festland eingeholt. Die Situation auf La Gomera sowie auf den übrigen Kanarischen Inseln ist in diesem Punkt besonders brisant. Nicht nur, dass aufgrund der Insellage eine generelle Entsorgungsproblematik besteht - gerade durch das steile Küstenrelief und die teils heftigen Regenfälle im Winter wird der Müll, den man hier einfach im Barranco entsorgt, früher oder später unweigerlich ins Meer gespült. Schließlich werden die wenigsten Besucher La Gomeras von sich behaupten können, dass ihnen bei aller Achtsamkeit nicht die eine oder andere Plastikverpackung, Zigarettenkippe usw. durch den Wind abhanden und aufs Meer geweht worden ist.
Infoveranstaltungen
Alles was Sie schon immer über das Meer und seine Bewohner wissen wollten, erfahren Sie auf unseren Infoabenden und Diashows im Club de Mar.
Ich selbst zeige zurzeit zweimal die Woche eine Diashow:
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Dienstags
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19:30 Uhr
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Diashow über die Unterwasserwelt vor La Gomera "Überleben im Hafenbecken"
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Donnerstags
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19:30 Uhr
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Diashow über die Meerestiere in der Gezeitenzone "Baby-Beach - Eine Kinderstube"
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In den jeweils einstündigen Diashows werden auch aktuelle Themen behandelt und am Ende darf mit Fragen gelöchert werden. Als Vorbereitung auf eine Felswattwanderung oder auf eine Schnorcheltour ist der Besuch auf jeden Fall zu empfehlen. Am Eintritt wird um eine Spende gebeten.
Beide Diashows können Sie bei mir auf CD-ROM bestellen.
Format: Microsoft® PowerPoint-Dokument, automatisch laufende Bildershow, ein umfassender bebilderter Begleittext liegt als Word-Dokument bei.
Preis: jeweils 12,- € zuzüglich Versandkosten
Im Club de Mar finden weitere regelmäßige Veranstaltungen statt:
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Montag
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19:30 Uhr
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Infoabend über Wale, Delfine und Whalewatching von M.e.e.r. EV
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Mittwoch
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19:30 Uhr
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"La Gomera la belleza - Wald und Wale", von Bruno Dittrich, Naturfilmer, Fotograf und Fotodesigner
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Sonntag
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19:30 Uhr
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"Wale im Visier", von Bruno Dittrich
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Weitere Infos siehe www.club-de-mar.org.
Whalewatching
Sofern es das Wetter zulässt, fahren wir vom Club de Mar zweimal täglich auf kleinen traditionellen Fischerbooten zur See, um die Wale und Delfine in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Da wir ein sanftes Whalewatching betreiben, nehmen wir nur eine begrenzte Teilnehmerzahl mit an Bord und geben keinerlei Sichtungsgarantie. Hin und wieder hat man das Glück, bis zu vier Arten in einer Tour zu sehen, an anderen Tagen fährt man allerdings eine "Nullrunde".
Zurzeit fahre ich regelmäßig in Vertretung für Gerben van Kaam die "Canope", ein Boot, das dank seiner flachen Bauweise optimal für Unterwasseraufnahmen geeignet ist. Wer lieber den weiten Überblick behält, mag sich für Capitano Claudios Weltumsegler "Triana" entscheiden. Mehr dazu: www.club-de-mar.org
Termine:
Täglich 10:00 und 15:00 Uhr (Winter) bzw. 16:00 Uhr (Sommer)
Preis:
Erwachsene 27,- €, Kinder 12,50 €.
Maximale Teilnehmerzahl:
"Canope" und "Ra": 6 Personen
"Ascension del Seņor" und "Triana": 12 Personen
Buchung vor Ort über den Club de Mar.
Felswattwanderungen
Sie können im Felswatt entweder selbst auf die Suche nach Seehase & Co gehen, oder sich die Tiere in ihren Verstecken unter professioneller Führung zeigen lassen!
Die Felswattwanderung dauert etwa zwei Stunden und beginnt am sogenannten "Baby-Beach" Charco del Conde bei La Puntilla.
Mitzubringen sind wasserfeste Schuhe (Badelatschen, Sandalen) und kurze oder halblange Hosen. Die Führung ist auch für Kinder geeignet und Hobbyfotografen werden auf ihre Kosten kommen. Es werden ihnen nicht nur die einzelnen Arten vorgestellt, sondern auch anhand kleinerer Experimente demonstriert, wie etwa der Schlangenstern in seinen Unterschlupf gelangt, wie sich die Seegurke verteidigt oder warum Seerosen keine Pflanzen sind. Sie dürfen mit Fragen löchern und am Ende der Wanderung den geringelten Seehasen selbst mit seiner Lieblingsalge von Hand füttern.
Termine: Vom Niedrigwasser abhängig, das sich pro Tag etwa um eine Stunde verschiebt
Preis: Erwachsene 8,- €, Kinder 4,- €.
Maximale Teilnehmerzahl: 10 Personen
Buchung vor Ort über den Club de Mar.
Unterwasserfotografie
Mit dem Einzug der digitalen Sucherkameras und der von vielen Herstellern dazu angebotenen wasserdichten Polycarbonat-Gehäuse wird die Unterwasserfotografie endlich auch als Hobby erschwinglich. Auf den Neueinsteiger warten allerdings besondere Tücken: Schwierige Lichtverhältnisse unter Wasser, fehlende Vertrautheit mit dem bewegten Medium und den tierischen "Fotomodellen" sowie allgemeine Schwierigkeiten im Umgang mit der Technik.
Dem Einsteiger und demjenigen, der es gerne werden möchte, biete ich einen kleinen Unterwasserfotografiekurs an. Als Location wird die Gezeitenzone am Charco del Conde gewählt. Dort kann man sämtliche Meeresbewohner unterhalb der Wasseroberfläche praktisch zu Fuß ablichten, für die meisten Situationen braucht man nicht einmal die Maske aufzusetzen. Man kann sich also voll und ganz auf die Kamera konzentrieren und die notwendigen Fertigkeiten zur richtigen Einstellung von Blende und Verschlusszeit, der Wahl der Perspektive bzw. dem Umgang mit dem natürlichen Licht und der Bildgestaltung erlernen. Schnellere Tiere, wie z. B. Fische nehmen in den kleinen Tümpeln nicht so schnell Reißaus und es gibt einige Tricks, sie nahe vor die Linse zu bekommen.
Für hoffentlich gelungene Aufnahmen werden Ihnen eine Canon Powershot A70 mit Extremweitwinkelvorsatz und eine semiprofessionelle Olympus C-8080 sowie Maske und Schnorchel gestellt. Im Anschluss folgt eine Nachbearbeitung der Bilder am PC unter Adobe® Photoshop. Dabei werden Ihnen wichtige Techniken erklärt, die speziell für die Unterwasserfotografie zugeschnitten sind: Wiederherstellung der natürlichen Farben, Entfernen von "Schneeflocken" usw.
Mitzubringen sind: Wahlweise Badehose/Badeanzug und Badelatschen oder Füßlinge und Neopren-Shorty (ein Vollanzug ist wegen der Hitze nicht zu empfehlen), außerdem ein Handtuch.
Termine: Nach Vereinbarung vor Ort bei mir persönlich (siehe Kontakt)
Preis: 39,- €
Maximale Teilnehmerzahl: 4 Personen
Wer nach dem Einsteigerkurs wirklich auf den Geschmack gekommen ist, kann bei mir einen weiteren Termin zur Unterwasserfotografie im Hafenbecken vereinbaren.
Preis inklusive ABC, Neopren, Blei und Leihkamera Olympus C-8080: 39,- €,
Deponat: 50,- €
Sofern ein gültiges Brevet vorliegt, bin ich nach persönlicher Absprache gerne zu einem gemeinsamen Flaschentauchgang mit Unterwasser-Fotoausrüstung bereit.
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