Die variable Seegurke
Holothuria sanctori stellt am Charco del Conde wahrscheinlich den Hauptanteil tierischer Biomasse. Tagsüber sind die Tiere unter den Steinen versteckt, nachts kriechen sie in ungeheurer Individuendichte über das Felswatt. Sie scheinen sich dort hauptsächlich von Zersetzungsprodukten im Substrat zu ernähren. Unverdauliches Sediment wird in der Form langer "Würstchenketten"
ausgeschieden. Die Verteidigungsstrategie dieser extrem langsamen Tiere, die übrigens keinen Vergleich zum Tempo der Meeresschnecken aushalten, ist überaus wirkungsvoll: Bei Provokation werden mit einem Wasserstrahl sogenannte Curvier´schen Schläuche
ausgeschieden. Diese formen unter Wasser augenblicklich ein weites Netz aus klebrigen Fäden, die eine erhebliche Gefahr für andere Meeresbewohner darstellen, sich darin zu verfangen und zu ersticken. Einige Arten sondern zusätzliche, mehr oder weniger giftige Hemmstoffe aus oder entledigen sich bei Angriff gar einem Teil ihrer Eingeweide (Magen-Darm-Trakt), den sie später regenerieren.
Verständlicherweise haben die Seegurken kaum natürliche Feinde. Einer der wenigen Tiere, die sich dennoch von Seegurken ernähren, ist die vor den Kanaren heimische große Seespinne Maja squinado. Am Charco del Conde wurden bisher jedoch nur sehr kleine Individuen dieser Krabbenart gesichtet. Ebenso wurden bisher keine Küstenvögel bei der Jagd auf Seegurken oder Seehasen beobachtet. Aufgrund des reichhaltigen Nahrungsangebot und der fehlenden Fraßfeinde ist das Felswatt anscheinend die ideale Aufwuchsstätte. Neben der variablen Seegurke Holothuria sanctoria, die in verschiedenen Farbmusterungen auftaucht, sind die purpurrote Seegurke
Holothuria arguinensis sowie eine weitere, nicht näher bestimmte Art, regelmäßig zu sehen.